Altersvorsorge und Auswandern im Alter einmal kritisch (Stand 2015)

Ruhestand am Strand mit Tücken

Gut lachen hat nicht jeder Auswanderer. Rente, Versicherung, Steuern – diese bürokratischen Hürden erschweren ein Leben. Wer sich im Ruhestand nach Sonne und Meer sehnt, darf nicht nur träumen und muss auch rechnen.

Zwei von drei Deutschen wollen ihren Ruhestand im Ausland verbringen. Längst nicht alle, die damit setzen ihren Plan um. Viele die sich trauen ins Ausland zu gehen, erleben dort böses Erwachen. Denn Auswandern ist eine komplizierte Entscheidung: Die vertraute Umgebung, die Muttersprache, Familie und Freunde bleiben zurück. Auch finanzielle und soziale Sicherheiten werden aufgegeben. Teils müssen sogar erhaltene Zulagen vom Staat, die für die Rente gedacht waren, zurückgezahlt werden. Steuerfreibeträge gelten nicht mehr, die Krankenversicherung funktioniert nur noch beschränkt. Die Gefahr des Scheiterns am Geld ist real.

Die gesetzliche Rente manchmal mit Abzügen

Jedes Jahr kehren rund 150.000 Bundesbürger Deutschland den Rücken, etwa jeder zehnte ist Rentner. Rund 220.000 Renten überweist die Deutsche Rentenversicherung an im Ausland lebende Deutsche.

Wer im Ruhestand ist, verlässt sich auf seine Rente. Innerhalb der EU erhalten Rentenberechtigte ihre volle gesetzliche Rente aus sämtlichen beitragspflichtigen und beitragsfreien Zeiten. Wer sich außerhalb der EU niederlässt muss mit Rentenkürzungen rechnen. Damit die Rente ankommt, sollte eine internationale Bankverbindung eingerichtet werden. Und sollten Auswanderer daran denken, der Rentenversicherung rechtzeitig die neue Anschrift und Bankverbindung mitzuteilen.

Riester-Förderung muss teils zurückgezahlt werden

Ratsam ist ein Beratungsgespräch bei der Deutschen Rentenversicherung vor dem Umzug, um zu erfahren inwieweit die Auswanderungspläne Auswirkungen auf die Rente haben. Je nach Land gibt es Sonderregeln und Vorschriften. Ein Beispiel sind Erwerbsminderungsrenten: Hier kann es außerhalb der EU-Staaten und der Schweiz zu Zahlungseinschränkungen kommen. Auch bei Riester-Renten gibt es diese. Zwar hat der EuGH 2009 entschieden, dass Rentner, die sich innerhalb der EU niederlassen, die staatliche Förderung behalten dürfen (Az.: C-269/07).  Befindet sich die neue Heimat außerhalb der EU, muss der Riester-Sparer alle Zulagen bis zum Zeitpunkt der Auswanderung zurückzahlen – bei privaten Rentenversicherungen zahlt die Versicherung immer und überall.

Doppelbesteuerung vermeiden – auch als Rentner

Auch an die Steuer müssen Ruheständler denken, denn der deutsche Fiskus mischt auch im Ausland mit. Seit dem 1. Januar 2005 werden die Renten hierzulande besteuert. Zunächst waren es 50 Prozent der Einkünfte, der Anteil wächst allerdings jedes Jahr um zwei Prozentpunkte. Wer 2015 in Rente geht, muss daher 78 Prozent seiner Altersbezüge versteuern – und zwar auch im Ausland. „Die Steuerpflicht in Deutschland richtet sich nach dem deutschen Einkommensteuergesetz. Dies gilt unabhängig davon, ob Rentner in neuen Wohnsitzstaat eine Steuererklärung eingereicht haben und dort Steuern zahlt“.

Um eine Doppelbesteuerung der Einkünfte zu vermeiden, hat Deutschland mit vielen Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Es regelt im Einzelfall, welcher Staat besteuern darf und in welcher Form der Wohnsitzstaat die Doppelbesteuerung vermeiden muss.

Der große Nachteil: Den in Deutschland geltenden Steuerfreibetrag von derzeit 8472 Euro pro Person gibt es im Ausland nicht, ebenso entfällt das Ehegatten-Splitting. Damit ist jeder deutsche Rentner, der jenseits der Landesgrenzen lebt, vom ersten Euro an steuerpflichtig. Allerdings gibt es hier noch eine juristische Hintertür: Rentner mit Auslandswohnsitz, die mindestens 90 Prozent ihres Einkommens aus Deutschland beziehen, können auf Antrag in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bleiben. Zuständig für alle im Ausland lebenden Rentner ist das Finanzamt Neubrandenburg. Wie ist es mit Betriebsrenten: Wird hier nur der Ertragsanteil besteuert?

Die Möglichkeiten für Kranken- und Pflegeversicherung

Fallstricke lauern auch in der Krankenversicherung. Wer im europäischen Ausland seine deutsche Rente erhält, unterliegt laut Deutscher Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) des GKV-Spitzenverbandes theoretisch der deutschen Krankenversicherung. Die Leistungen beziehen sich allerdings auf die Vorschriften des Wohnlandes mit oft eingeschränktem Leistungskatalog. Außerhalb Europas büßt man den deutschen Krankenversicherungsschutz sogar vollständig ein. Dann bleibt nur, sich vor Ort neu zu versichern, was im Alter eine ziemlich teure Angelegenheit ist, oder eine langfristige Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Letzteres ist allerdings nur für bis zu fünf Jahre möglich.

Erstwohnsitz in Deutschland behalten kann lohnen

Auch in der Pflegeversicherung werden nur Grundkosten übernommen. Wer im Ausland etwa einen ambulanten Pflegedienst oder Essen auf Rädern in Anspruch nimmt, bleibt vollständig auf den Kosten sitzen. Daher ist für alle Rentner, die bis ins hohe Alter im Ausland bleiben möchten, eine zusätzliche private Pflegeversicherung unabdingbar (erhebliche Zusatzkosten).

Es kann also auch finanziell lohnen, mit einem Fuß auf deutschem Boden zu bleiben. Man sollte es sich überlegen, seine Zelte in Deutschland vollständig abzubrechen. Wer den Erstwohnsitz in Deutschland behält und sich nur einen Zweitwohnsitz im Ausland zulegt, braucht nämlich lediglich eine normale Auslandsreisekrankenversicherung. In Bezug auf die Rente und Krankenversicherung gibt es in einem solchen Fall keine Nachteile.

Gekürzt und leicht geändert nach: https://www.welt.de/finanzen/altersvorsorge/article145281585/So-klappt-es-mit-dem-Ruhestand-am-Strand.html

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