Abwanderung aus Deutschland 2018

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Warum Hunderttausende Deutsche dem Land den Rücken kehren Stand: 05.12.2019 |

Seit 2010 sind mehr als 1,8 Millionen Bundesbürger ausgewandert – vor allem junge Akademiker. Im Ausland verdienen sie deutlich besser, zeigt eine Studie. Frust über das eigene Land ist bei weitem nicht das wichtigste Motiv für den Wegzug.

Intensiv wird über das Ausbildungsniveau der Zuwanderer geforscht, doch wie sieht es eigentlich mit den vielen Deutschen aus, die dauerhaft oder zeitweise in ein anderes Land ziehen? Hierzu stellte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung nun die ersten Ergebnisse der German Emigration and Reimigration Panel Study (GERPS) vor. Zentrales Ergebnis: Vor allem hochqualifizierte Deutsche wandern ab. So finden sich unter den Auswanderern überproportional viele mit einem Master- oder Doktortitel, während Menschen mit einem gymnasialen oder niedrigeren Schulabschluss unterrepräsentiert sind. Auch zeigen die Befragungen, dass die „international Mobilen“, also die Aus- oder schon wieder Zurückgewanderten überwiegend jung sind. Im Schnitt sind sie 37 Jahre alt und damit rund zehn Jahre jünger als die Gesamtbevölkerung.

Diese Befragungen der Aus- und Zurückgewanderten ergaben, dass die Umzüge ins Ausland meist aus beruflichen Motiven (58 Prozent) erfolgten. 46 Prozent gaben die „Verwirklichung eines bestimmten Lebensstils“ als Grund an – dabei handelt es sich um Menschen, die es beispielsweise wegen des für sie angenehmeren Klimas ans Mittelmeer zieht oder die eine besondere Zuneigung zur Kultur ihres Ziellandes haben. Der dritte wichtige Faktor sind familiäre Gründe (36 Prozent), gefolgt von der Fortführung eines Studiums (20 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich. Professor Norbert F. Schneider, der Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, entkräftete bei der Vorstellung in Berlin eine verbreitete These: „Die Unzufriedenheit mit Deutschland spielt eine untergeordnete Rolle“, die meisten Auswanderungen erfolgten „chancengetrieben“ und nicht aus Frust.

Lediglich 18 Prozent der Befragten gaben „Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland“ als Grund an. Laut der Studie geht die Entscheidung meistens auf mehrere Gründe zurück. Marcel Erlinghagen, Soziologieprofessor an der Universität Duisburg-Essen, sagte: „Es liegt immer ein ganzes Motivbündel zugrunde, letztlich muss das Gesamtpaket stimmen. Innerhalb dessen spielen berufliche Gründe jedoch eine zentrale Rolle.“

Insgesamt leistet das BiB mit der Studie einen wichtigen Beitrag, um mehr über die Motive und das Qualifikationsniveau deutscher Auswanderer zu erfahren. Bezüglich der Größenordnung sind die Angaben aber nur eingeschränkt aussagekräftig. Denn die Angabe von im Schnitt rund 180.000 Fortzügen im letzten Jahrzehnt bezieht sich auf die alte Erhebungsweise des Statistischen Bundesamtes. Diese wurde 2016 geändert, mit dem Ergebnis, dass für das Jahr ein drastischer Anstieg auf 281.000 abgewanderte Deutsche verzeichnet wurde. 2017 waren es 249.000 und im vergangenen Jahr 262.000.

„Jedes Jahr eine Stadt von 50.000 dauerhaft verloren“

 

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