Baut Polen durch die Frische Nehrung einen „antirussischen“ Kanal? Masuren bald mit Zugang zur Ostsee

Baut Polen durch die Frische Nehrung einen „antirussischen“ Kanal? Masuren bald mit Zugang zur Ostsee
Baut Polen durch die Frische Nehrung wirklich einen „antirußischen“ Kanal? Die Masuren bekommen bald einen Zugang zur Ostsee

Ein Blick auf die Landkarte macht das Problem deutlich. Um aus dem Frischen Haff in die Ostsee (Danziger Bucht) zu gelangen, müssen wir seit 1945 entlang der Frischen Nehrung, gut siebzig Kilometer lang bis zu den Pilauer Seetiefen, das russische Hoheitsgewässer passieren. Die rechtskonservative polnische PIS-Regierung begann 2016 jetzt mit dem Bau eines Kanals durch den schmalen Landstreifen, der 2022 fertig sein soll und angeblich rein wirtschaftliche Gründe hat. Was dahinter steckt und was der Kanal den Masuren-Liebhaber bringt beschreibt der kurze Beitrag. https://www.youtube.com/watch?v=lmbdvZi5w88

Maßnahme nicht zu teuer, aber wirtschaftlich dennoch fragwürdig

Der mit 2 Mrd. Zloty oder 500 Mio. € veranschlagte Kanalbau wird die an dieser Stelle 1.300 Meter breite Nehrung bei der Ortschaft Skowronki (dt. deutsch: Bodenwinkel), direkt gegenüber der alten Hansestadt Elblag (Elbing) durchtrennen. https://de.wikipedia.org/wiki/Kanal_durch_die_Frische_Nehrung. Dennoch wird Elbing nicht automatisch zum „Hochseehafen“ aufsteigen, weil der Tiefgang der neuen Waßerstrasse nur drei bis fünf Meter beträgt. Für Hochseefrachter ist sie damit ungeeignet. Auch besteht Versandungsgefahr und damit hohe Unterhaltungskosten.

Von Elbing bis zum Danziger Hafen sind es nur 70 Km, nach Gdynia (Gotenhafen) 120 Km. Auch hatte der bisherige Warenverkehr über das Haff eher einen symbolischen Charakter. Zeitweise kursierte auf dieser Strecke in Tagesausflügen das Luftkissenboot nach Kaliningrad, sprich Königsberg, der alten Hauptstadt Ostpreußens. An eine Entlastung der beiden Häfen und eine neue „wirtschaftliche Blütezeit“ für die Masuren kann damit keine Rede sein. Ökologen (war zu erwarten!) befürchten zudem irreparable Schäden für die Umwelt und den Tourismus, insbesondere für den beliebten polnischen Badeort Krynica Morska (dt.: Kahlberg).

Politischer Grund anscheinend offensichtlich – wer hätte dennoch Vorteile?

Die traditionelle Russophobie der Polen wird wohl das Hauptmotiv sein. Die vorgeschobenen ökonomische Gründe – Unabhängigkeit vom Goodwill des feindlichen Nachbarn und die ökonomische Wiederbelebung Elbings, dessen Einwohnerzahl sich in den vergangenen dreißig Jahren auf 60 Tausend halbierte – ließen sich dennoch schnell konstruieren. In Wirklichkeit will die PIS vollendete Tatsachen schaffen und sich „ein Denkmal“ schaffen. In die gleiche Kategorie sind die Pläne den Warschauer Flughafen zum Konkurrenten Berlins auszubauen, einzuordnen. PIS-Gegner sprechen oft in diesem Kontext vom „wirtschaftlichen Populismus“. Warten wir es ab. Fest steht dennoch, auf die seltsame Idee schon einmal die alten Preußen (Friedrich der Große 1740 – 1786) hatten.

Während für Russland die Investition ein Non Event und allenfalls ein lokales Politikum darstellt, werden es deutsche und polnischen Masuren-Liebhaber eher sie als Kuriosum betrachten. Vielleicht wird daraus mehr, wie die weitere Förderung des Personenverkehrs und Privathandels. http://www.pi-news.net/2020/01/einreiseerleichterung-fuer-kaliningrad-koenigsberg/

Schon heute gibt es von Gdingen aus Kaffee-Fahrten zum zollfreien Einkauf nach Baltijsk gepaart mit kleinen Ausflügen auf die sambische Halbinsel. Russland ist grundsätzlich offen und das Leben diktiert andere Gesetze. https://www.zegluga.pl/rejs-gdynia-baltyjsk. Die Investition kann daher Vorteile bringen und neben dem Oberland Kanal – von Osterode nach Elbing – zu einer weiteren Attraktion der Region werden

Auch in den Beziehungen der Polen mit den Russen wird nie so heiß gegessen wie gekocht.

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